Anna Junge
Wiedersehen nach der Shoah
Nachbarschaft im Landkreis Marburg 1941-1954
Reihe: Studien zu Ressentiments in Geschichte und Gegenwart; Bd. 11Rückkehr nach der Verfolgung: Wie begegneten sich jüdische Überlebende und ihre Nachbar:innen im Dorf, wo sich alle kannten?
Nur wenige deutsche Jüdinnen und Juden überlebten die NS-Verfolgung im besetzten Europa. Auf der Suche nach Angehörigen kehrten viele 1945 zurück in ihren Herkunftsort. Anders als in der Stadt lebten Zurückgekehrte auf dem Land allein unter Nichtjüdinnen und Nichtjuden. Der ländliche Raum ist von der Forschung bislang vernachlässigt worden. Dabei zeigt gerade der Nahbereich der Dorfgemeinschaft eindrücklich, wie Verfolgte, Profiteur:innen und Verfolger:innen ab 1945 unter den neuen Verhältnissen miteinander weiterlebten.
Anna Junge gelingt eine dichte Beschreibung deutsch-jüdischer Sozialgeschichte. Mit zahlreichen Ego-Dokumenten und in ständigem Perspektivwechsel skizziert sie drei Dynamiken: Zunächst weigerten sich die Dorfgemeinschaften, den Zurückgekehrten ihr Hab und Gut zurückzugeben. Übergangsweise verhandelten die Nachbar:innen auf Augenhöhe um Entnazifizierung und Eigentum vor Gericht. Gleichzeitig zeigten Überlebende eine enorme Anpassungsbereitschaft an die herrschenden Verhältnisse. Im engen personellen Setting zeigt die Autorin Spielräume und individuelle Handlungsweisen der Beteiligten unter den strukturellen Verhältnissen. Die Integration der Überlebenden-Perspektive eröffnet neue Einsichten in die westdeutsche ländliche Nachkriegsgesellschaft.
Nur wenige deutsche Jüdinnen und Juden überlebten die NS-Verfolgung im besetzten Europa. Auf der Suche nach Angehörigen kehrten viele 1945 zurück in ihren Herkunftsort. Anders als in der Stadt lebten Zurückgekehrte auf dem Land allein unter Nichtjüdinnen und Nichtjuden. Der ländliche Raum ist von der Forschung bislang vernachlässigt worden. Dabei zeigt gerade der Nahbereich der Dorfgemeinschaft eindrücklich, wie Verfolgte, Profiteur:innen und Verfolger:innen ab 1945 unter den neuen Verhältnissen miteinander weiterlebten.
Anna Junge gelingt eine dichte Beschreibung deutsch-jüdischer Sozialgeschichte. Mit zahlreichen Ego-Dokumenten und in ständigem Perspektivwechsel skizziert sie drei Dynamiken: Zunächst weigerten sich die Dorfgemeinschaften, den Zurückgekehrten ihr Hab und Gut zurückzugeben. Übergangsweise verhandelten die Nachbar:innen auf Augenhöhe um Entnazifizierung und Eigentum vor Gericht. Gleichzeitig zeigten Überlebende eine enorme Anpassungsbereitschaft an die herrschenden Verhältnisse. Im engen personellen Setting zeigt die Autorin Spielräume und individuelle Handlungsweisen der Beteiligten unter den strukturellen Verhältnissen. Die Integration der Überlebenden-Perspektive eröffnet neue Einsichten in die westdeutsche ländliche Nachkriegsgesellschaft.
Anna Junge
Anna Junge, geb. 1981, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Holocaust-Studien des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin im Projekt »Überlebensstrategien von „Mischehefamilien“ im nationalsozialistisch dominierten Europa«. Sie studierte …
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