Der Fürst als weibliches Ich
Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg – ein »queerer« Herrscher und Schriftsteller
Herausgegeben von Martin Mulsow und Vera FaßhauerEine kleine Sensation: Präsentiert wird das ungedruckte literarische Œuvre eines zu entdeckenden Sprachkünstlers – eine seinerzeit schillernde Persönlichkeit: als Feminist und als Friedensfürst.
Ich bin »eine Pflanze, ein Gefäß, ein zauberisch Apsara«, äußert Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1822) in einem Brief, »das noch keiner beschrieb, weil es noch keiner mit der Brille der Unparteylichkeit besah.« Und er setzt hinzu: »Erstlich weil ich nicht still hielt, 2tens weil diese Brille noch nie geschliffen wurde.« Dieses Diktum gilt noch bis heute. Zweihundert Jahre lang ist der „peinliche“ Herzog aus Gotha totgeschwiegen, zumindest von der Forschung nicht behandelt worden. In diesem Band wird August, der Männer liebte und sich gelegentlich als Frau kleidete, von einer bisher unbekannten Seite gezeigt: als Schriftsteller, Politiker und Sammler. 6000 Seiten unveröffentlichte Romane und Erzählungen lagern in der Forschungsbibliothek Gotha. Sie sind von einem Team von Literaturwissenschaftler:innen aufgearbeitet worden und werden hier erstmals vorgestellt. Das Ergebnis kann als Sensation gelten: Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg erweist sich als virtuoser Sprachkünstler zwischen Empfindsamkeit und Frühromantik. Seine Texte überraschen durch die Auseinandersetzung mit seiner prekären geschlechtlichen Position zwischen Mann und Frau und seiner Identifikation mit weiblichen Figuren.
Ich bin »eine Pflanze, ein Gefäß, ein zauberisch Apsara«, äußert Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1822) in einem Brief, »das noch keiner beschrieb, weil es noch keiner mit der Brille der Unparteylichkeit besah.« Und er setzt hinzu: »Erstlich weil ich nicht still hielt, 2tens weil diese Brille noch nie geschliffen wurde.« Dieses Diktum gilt noch bis heute. Zweihundert Jahre lang ist der „peinliche“ Herzog aus Gotha totgeschwiegen, zumindest von der Forschung nicht behandelt worden. In diesem Band wird August, der Männer liebte und sich gelegentlich als Frau kleidete, von einer bisher unbekannten Seite gezeigt: als Schriftsteller, Politiker und Sammler. 6000 Seiten unveröffentlichte Romane und Erzählungen lagern in der Forschungsbibliothek Gotha. Sie sind von einem Team von Literaturwissenschaftler:innen aufgearbeitet worden und werden hier erstmals vorgestellt. Das Ergebnis kann als Sensation gelten: Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg erweist sich als virtuoser Sprachkünstler zwischen Empfindsamkeit und Frühromantik. Seine Texte überraschen durch die Auseinandersetzung mit seiner prekären geschlechtlichen Position zwischen Mann und Frau und seiner Identifikation mit weiblichen Figuren.
Martin Mulsow
Martin Mulsow ist Professor für Wissenskulturen an der Universität Erfurt und Direktor des Forschungszentrums Gotha; zuvor war er bis 2005 Professor für Geschichte an der Rutgers University, USA. Studium der Philosophie in Tübingen, Berlin und München; …
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