Wallstein Verlag



Elektropoetologie


Fiktionen der Elektrizität 1740 - 1870


Wie lässt sich Elektrizität darstellen und konzeptualisieren? Literatur als Spiegel eines naturwissenschaftlichen Phänomens.


Wie kaum ein anderes naturwissenschaftliches Phänomen faszinierte die Elektrizität die Menschen vom 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert. Aufsehenerregende Experimente machten mit Hilfe von komplexen Vorrichtungen und Instrumenten die Wirkungen einer unsichtbaren und flüchtigen Substanz anschaulich, eine widerspruchsfreie Erklärung aber gelang nicht.
So umspielte die Evidenz des elektrischen Versuchs eine fundamentale Lücke des Wissens, eine Unkenntnis der »Natur« und des »Wesens« der Elektrizität. Dies führte dazu, dass der Einbildungskraft und der Fiktion besondere Rollen bei der Erkundung der Elektrizität und ihrer Potentiale zugesprochen wurden.
Michael Gamper zeigt, wie Wissenschaftler, Schriftsteller und Dichter sich mit der Darstellbarkeit der Elektrizität und ihrer Konsequenzen für das Wissen der Zeit befassten, aus ihr aber auch neue Einsichten in die Poetik und den Status von Literatur gewannen. Dazu untersucht er Texte u.a. von Lichtenberg, Novalis, Ritter, Kleist, von Arnim, Hoffmann und Stifter.


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.
Ein Unsichtbares erscheint:
Poetologie und Epistemologie der Elektrizität
Konstitution eines wissenschaftlichen Feldes
Erkenntnistheoretische Etablierung und Popularisierung
Das Experiment als künstliche Wissensgenerierung
Erzeugung des Wunderbaren
Repräsentationsproblematik der Elektrizität
Rhetorik des Elektrischen
Fiktionalisierung des Wissens
Einbildungskraft, Dichtungsvermögen, Elektrizität
Ausdifferenzierung der Fiktionsproblematik

2.
Forschen und Schreiben: Lichtenberg
Experimentalphysikalische Methodik
Versuche in Lehre und Forschung
Ökonomie und Publikum
Natur-Lektüren
Lichtenbergische Figuren
Stellenwert der Mathematik
Elektrische Gedankenexperimente als Dichtung

3.
Enzyklopädistische Elektrologie: Novalis
Kants kritisches Geschäft und die Naturlehre
Schellings Naturphilosophie
Hardenbergs produktive Kant-Rezeption
Enzyklopädistik als Wissenschaft im höheren Sinne
Experimentalphysik des Geistes
Poesie als Instrument der Enzyklopädik
Elektrizitätslehre als »Electrologie«
Elektrizität und Galvanismus in Klingsohrs Märchen


4.
Experimentelle Universalisierung: Ritter
Epistemologie des Galvanismus
Experimentelle Erschließung, reflexive Verallgemeinerung
Eigensinn des Selbstexperiments
Sideristische Ausweitung der Experimentierzone
Spekulation und Ästhetik
Physik als Kunst
Fragment, Biographie, Poesie

5.
Elektrische Dichtung: Kleist
Epistemologische Lücken
Experimentelle Literatur
Elektrische Dynamik in Kleists Dichtung
Den Blitz (neu) lesen

6.
Literatur als Versuchsfeld: Arnim
Dynamische Theorie der Elektrizität
Erweiterung des Wissenskreises
Versuchsreihen in Hollins Liebeleben
Metaphorisierungen bei Jean Paul
Elektrische Poetik und Motive bei Hoffmann

7.
Nicht-Wissen erzählen: Stifter
Funktionale Gesetze, entzogener Grund
Professionalisierung, Spezialisierung
Stifter und die Naturwissenschaften
Unsicheres Wissen in den Winterbriefen
Der Condor als Versuchsanordnung
Elektrische Rätsel im Abdias
Der Abgrund des Wissens in Brigitta
Ausdifferenzierung, Autonomisierung: die Studien-Fassungen
»Elektrisches« Erzählen
Wissenschaft und Literatur in Parallele: Bunte Steine
Nachsommer, Reichenbach, Du Bois-Reymond:
Differenzierung von Wissenschaft, Pseudo-Wissenschaft
und Literatur
Michael Gamper

Michael Gamper, geb. 1967, ist Professor für Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Kultur und Wissensgeschichte an der Universität Hannover. Veröffentlichungen u. a.: Elektropoetologie. Fiktionen der Elektrizität 1740-1870 (2009); Masse lesen, Masse ...

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