Wallstein Verlag



Der Schweizerische Bauernkrieg von 1653


Politische Sozialgeschichte - Sozialgeschichte eines politischen Ereignisses

Reihe: Frühneuzeit-Forschungen; Bd. 3


Schon Zeitgenossen charakterisierten den schweizerischen Bauernkrieg von 1653 als eine »Revolution«. Tatsächlich gehörte dieser Konflikt mit der Fronde in Frankreich, der Revolution in England, den Bürgeraufständen in Neapel und Palermo sowie der Sezession der Provinz Katalonien von der spanischen Krone zu einer Welle heftiger innerer Konflikte, die um die Mitte des 17. Jahrhunderts ganz Europa erschütterte.


Die Studie schließt an die Diskussion um das Verhältnis von Ereignis und Struktur an, die seit dem Umsturz von 1989 intensiv geführt wird. Nach der zentralen These werden Ereignisse zwar durch strukturelle Voraussetzungen stark beeinflußt, sind aber aus ihnen weder retrospektiv abzuleiten noch zu prognostizieren. Durch die quellennahe Rekonstruktion und Analyse der Voraussetzungen, des Verlaufs und der Folgen des Bauernkriegs wird nachgewiesen, daß dieser Konflikt und die anderen Auseinandersetzungen um die Jahrhundertmitte in der europaweiten »Krise des 17. Jahrhunderts« gemeinsame strukturelle Vorbedingungen besaßen. Dennoch antworteten die Akteure in den einzelnen Ländern unterschiedlich auf die Krise, und die Konflikte, die daraus entstanden, zeitigten unterschiedliche Folgen.
Während sich zum Beispiel in Frankreich nach der Fronde der Absolutismus durchsetzte, wurde eine solche Entwicklung in der Schweiz durch den Bauernkrieg endgültig verhindert. Statt des Absolutismus hielt in den eidgenössischen Orten ein weniger drückendes, paternalistisches Regiment Einzug. Damit wurden zugleich günstige Voraussetzungen für den Erfolg der liberalen Revolution von 1848 geschaffen.
Diese bis in die Moderne nachwirkenden Folgen erklären sich zum großen Teil aus dem überraschend starken Widerstand der ländlichen Bevölkerung gegen die Herrschaft der städtischen Orte. Ein europäischer Vergleich zeigt, daß die eidgenössischen Untertanen tatsächlich eine ausgeprägte politische Kultur des offenen Protests und Widerstands entwickelten. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Befund, daß diese Kultur mit kreativen politischen Lernprozessen sowie mit einer ebenso kreativen Verarbeitung von kollektiven Erinnerungen an Wilhelm Tell und seinen Freiheitskampf erklärt werden kann. Heute wissen wir zwar, dass es sich bei dieser Gestalt und Geschichte weitgehend um eine Fiktion handelt. Doch 1653 glaubten die Untertanen fest daran und verwandelten durch ihren Widerstand diese Fiktion ein Stück weit in Realität.


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