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Stern und Kosmos


Astrale Konstellationen in der Lyrik um 1900


Stern und Kosmos als Zeitsignatur der Moderne: Die Suche nach gesellschaftlicher Orientierung, umfassender Erkenntnis und ästhetischer Form führt um 1900 an den Sternenhimmel.

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind Sterne, Sternbilder und der Kosmos omnipräsent. Ob Architektur, Malerei, Fotografie, Musik, Mode, Literatur oder Wissenschaft – mit Blick in den Himmel wurden soziale Verhältnisse sowie Darstellungs-, Wahrnehmungs- und Erkenntnisfragen gleichermaßen reflektiert. Es ist aber vor allem die Lyrik, die über ihre Formkonstellationen und astralen Motive die für die Zeit virulenten sozialen, epistemologischen und ästhetischen Problemlagen nachzeichnet und poetisch verhandelt.
Sophie-C. Hartisch betrachtet Dichtungen von Stéphane Mallarmé, Rainer Maria Rilke, Alfred Wolfenstein und Georg Heym, Else Lasker-Schüler, Stefan George, Theodor Däubler und Georg Trakl. Ihnen sind philosophische, naturwissenschaftliche und astrologische Texte zur Seite gestellt, die im Zusammenspiel ein astrales Dispositiv der Jahrhundertwende sichtbar werden lassen. Wenn Walter Benjamin mit seinem dialektischen Bild auf den Geist einer Epoche verweist, der sich in zeittypischen Gestaltungsformen ausstellt, dann stehen die in diesem Buch betrachteten philosophisch-ästhetischen Schriften und lyrischen Arbeiten symptomatisch für die These, dass die astrale Faszination eine dieser Formen für das frühe 20. Jahrhundert selbst ist: Stern und Kosmos werden zu einer Zeitsignatur der Moderne. In der Verbindung von Lyrikanalyse, Wissenschaftsgeschichte und Medienkultur leistet »Stern und Kosmos« einen substanziellen Beitrag zur Erforschung der Erkenntnis-, Literatur- und Kulturgeschichte der Jahrhundertwende und eröffnet neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Wissen, Wahrnehmung und poetischer Form in einer Zeit tiefgreifender epistemologischer und gesellschaftlicher Veränderungen.
Sophie-C. Hartisch

Sophie-C. Hartisch, geb. 1990, ist seit 2025 Post-Doc am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn. 2024 wurde sie an der Universität Köln promoviert. Veröffentlichungen u. a.: Welträume. Entwürfe des …

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Sophie-Charlott Hartisch erhält den Carlo-Barck-Preis des ZfL

Sophie-Charlott Hartisch erhält für ihre Studie »Astrale Konstellationen in der Lyrik um 1900« den Carlo-Barck-Preis des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung. 2026 erscheint die Studie unter dem Titel »Stern und Kosmos« im Wallstein Verlag. Wir gratulieren herzlich zu dieser Auszeichnung!



Mit dem 2017 vom ZfL erstmals vergebenen Carlo-Barck-Preis werden Dissertationen auf dem Gebiet der Literatur- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet, die durch innovative Fragestellung und originelle Anlage bestechen. Der Preis wird in der Regel alle zwei Jahre verliehen, das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro wird als sechsmonatiges Stipendium für einen Gastaufenthalt am ZfL vergeben.



Der Romanist Karlheinz »Carlo« Barck (1934–2012) hat das Forschungsprogramm des ZfL entscheidend mitgeprägt. Er ist bekannt für seine Forschungen zur Geschichte der Ästhetik und Imagination seit dem 18. Jahrhundert. Unter seiner Federführung entstand das Wörterbuch der Ästhetischen Grundbegriffe.