Hebammen im Wartheland
Geburtshilfe zwischen Privatheit und Rassenpolitik 1939-1945
Reihe: Das Private im Nationalsozialismus; Bd. 6Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind individuelle, private Erfahrungen im Leben von Frauen und Familien und zugleich zentrale Bereiche staatlicher Bevölkerungspolitik in der Moderne. Das NS-Besatzungsregime verfolgte in den annektierten westpolnischen Gebieten eine radikale rassistische, vom Ziel der »Germanisierung« bestimmte Geburtenpolitik. Es förderte Geburten von deutschen Kindern und entzog polnischen und jüdischen Frauen gesundheitliche Ressourcen, um Geburten zu verhindern. Wie arbeiteten Hebammen als Expertinnen für Geburtshilfe unter diesen Bedingungen im Reichsgau Wartheland? Im Sinne einer neuen Besatzungsgeschichte zeichnet Wiebke Lisner anhand biografischer Aspekte deutscher, polnischer, nicht-jüdischer und jüdischer Hebammen Erfahrungen, Deutungen und Handlungspraxen nach. Auf Grundlage bislang nicht berücksichtigter Archivquellen reflektiert sie Lebensverläufe von Hebammen, ihre Interaktionen mit Frauen und Familien, Ärztinnen, Ärzten und staatlichen Stellen. Die Studie wirft erstmals ein Licht auf die »alltägliche« Umsetzung von »Germanisierung«, Rassen- und Biopolitik im weiblich dominierten Aktionsraum von Schwangerschaft, Geburt und Reproduktion unter deutscher Besatzungsherrschaft in Polen.
Wiebke Lisner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin an der Medizinische Hochschule Hannover, wo sie sich 2024 habilitierte. Sie ist Expertin für Hebammengeschichte und promovierte mit einer Arbeit …
mehrWibke Lisner erhält für »Hebammen im Wartheland« den Arthur-Kronthal-Preis 2026
Wibke Lisner hat für ihr Buch »Hebammen im Wartheland« den Arthur-Kronthal-Preis 2026 erhalten. Die Preisverleihung fand am 18. September 2026 im Deutschen Historischen Institut in Warschau im Rahmen der Jahrestagung der Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen e.V. statt. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.Der Arthur-Kronthal-Preis wird seit 2012 alle zwei Jahre für eine herausragende Arbeit verliehen, die in den zurückliegenden beiden Jahren im Forschungsgebiet der Kommission publiziert worden ist. Die Auswahl nimmt eine Jury vor, die sich aus dem Vorstand sowie einem weiteren fachlich ausgewiesenen Kommissionsmitglied zusammensetzt.
Namensgeber des Preises ist der ehemalige Stadtrat, Kultur- und Sozialmäzen Arthur Kronthal (1859 – 1941), der aus einer alteingesessenen jüdischen Familie der Stadt Posen stammte, langjähriges aktives Mitglied der Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen war und sich große Verdienste um die Stadtentwicklung und die deutsch-polnisch-jüdische Verständigung erworben hat.





