Wallstein Verlag


Fünf Landgänge


Matthias Politycki, Marion Poschmann, Michael Kumpfmüller, Mirko Bonné, Judith Hermann

Herausgegeben von Monika Eden


Literarische Reisereflexionen von Matthias Politycki, Marion Poschmann, Michael Kumpfmüller, Mirko Bonné und Judith Hermann.


Seit 2015 bereisen jedes Jahr im Herbst deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller als Stipendiatinnen und Stipendiaten das Oldenburger Land im Nordwesten Niedersachsens. Sie treffen auf Stadtlandschaften verschiedensten Charakters, auf Kultur- und Agrarlandschaften und auf sehr viel Natur. Sie sehen sich um, sie lassen sich ein auf die ganz oben links an der Peripherie gelegene Region zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen, zwischen der Weser und Ostfriesland. Ihre Beobachtungen lassen sie in einen Text einfließen. Nach den ersten fünf Jahren werden nun die literarischen Reflexionen dieser Reisen öffentlich gemacht: ein Reiseessay (Matthias Politycki), ein Reisetagebuch mit Gedichten (Marion Poschmann), eine Erzählung (Michael Kumpfmüller), ein Reisejournal mit Gedichten (Mirko Bonné) und ein Reiselogbuch mit Zeichnungen des Grafikers Andreas Reiberg (Judith Hermann).

»Provinz, wie man sie noch bis zur Jahrtausendwende kannte, gibt es anscheinend in Reinform gar nicht mehr. Sie ist nur auf andere Weise globalisiert als die Metropolen, und man muß doppelt so genau hinblicken wie dort, um es zu erkennen.«
Matthias Politycki: Wo ist überhaupt noch Provinz? Das Oldenburger Land, von Osaka aus betrachtet

»Ich werde also, so war mein Plan, wie Basho in den wilden Norden meines Landes reisen. Schmale Pfade, Radwege,  Hinterland, stürmische Nordsee, alles ist stimmig. Ich verfasse ein Reisetagebuch, und wenn sich ein Gedicht einstellt, werde ich es einbeziehen. Vor allem aber, dachte ich, setze ich mich auf die Spur des Faden.«
Marion Poschmann: Das Fade-Orte-Projekt (Oldenburger Land)

»Zurück im Zimmer zieht Rieke Bilanz.
Nimmst du mich in den Arm?
Okay, was haben wir die Tage gemacht, sagt sie in meinem Arm. Ich zähle dir mal auf, was wir alles gemacht haben. Was ich davon noch weiß, denn einiges habe ich sicher schon vergessen.
Den Fluss weiß sie noch, das kleine Bordell in Jever, die sich in der Sonne räkelnden Seehunde, das Akropolis, eins und zwei, die Deichlandschaft, Meere und Himmel, die Windräder und Kühe; dass wir den verdammten „Getränke Hoffmann“ nicht gefunden haben.«
Michael Kumpfmüller: Der gute Gott von Oldenburg

»Die weiten Felder im tiefen Nordwesten, westlich von Bremen, unterbrochen, vor dem Seewind geschützt durch Waldinseln, geometrisch anmutenden Waldungen. Auch die Kühe, im Widerstand gegen den Wind, rebellische Rinder, fleckig wie das platte Land.«
Mirko Bonné: In der Mitte der Weite. Eine Rundreise durchs Oldenburger Land

»Der Samstag still wie ein Sonntag, Himmel wolkenlos wie im August, das Motorengeräusch eines Propellerflugzeuges ein Geräusch aus dem Sommer, friedlich, die Zeit ist eigenartig gedehnt und weit. Schläfrigkeit eines Septembernachmittags, verlorene Liebesmüh im schönsten Sinn, all das Nichtbeschlossene und ebensowenig Gedachte eines sich neigenden Jahres, das deutlich zu Tage tritt; später wird mir diese Reise vorkommen wie ein unlösbares Rätsel.«
Judith Hermann: LAND, KREISE, ZIEHEN, WEITERZIEHEN
Monika Eden

Monika Eden, geb. 1968, Studium der Germanistik und der Kunst, seit 1998 Leiterin des Literaturbüros Oldenburg. Veröffentlichungen u. a.: Konstellationen. Gespräche zur Gegenwartsliteratur (Hg., 2018); Im Atelier. Beiträge zur Poetik der Gegenwartsliteratur ...

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