Wallstein Verlag



Sex - richtig!


Körperpolitik und Gefühlserziehung im Kino des 20. Jahrhunderts


Wie haben bewegte Bilder Einstellungen und Verhalten der Menschen in unserer globalen Mediengesellschaft beeinflusst?


Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts konstituierte sich durch das Kino eine globale Mediengesellschaft. Insbesondere Sexualaufklärungsfilme zirkulierten über nationale Grenzen hinaus. Sie informierten über Geschlechtskrankheiten von Syphilis bis AIDS und zielten darauf ab, Einstellungen und Verhalten der Menschen zu formen, um die Gesundheit des Körpers zu garantieren. Ihr Referenzrahmen waren die Wissenschaften der Medizin, Pädagogik und (experimentellen) Psychologie. Trotz einer sich wandelnden emotionalen Kultur im 20. Jahrhundert, wurde Gefühlen stets eine herausragende Rolle zugeschrieben. So sollte im Ersten Weltkrieg die Angst Soldaten von ungeschützten Sexualkontakten mit Prostituierten abhalten. Im Weimarer Kino wurde die Bevölkerung zudem gegen die »falsche Scham« mobilisiert. Im Frontkino des Nationalsozialismus setzte man auf das unbedingte Vertrauen. In der DDR bzw. in der BRD sollten »positive Emotionen« als Anleitung zur »sozialistischen Persönlichkeit« bzw. zur Selbstführung der jungen Generation dienen. Mit dem Aufkommen von AIDS verschmolzen die Gefühle mit dem zu vermittelnden Wissen.

Ausgezeichnet mit dem Otto-Hintze-Preis der Claudia-und-Michael-Borgolte-Stiftung.
Anja Laukötter

Anja Laukötter, geb. 1972, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsbereich »Geschichte der Gefühle« des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und Co-Leiterin der internationalen ERC-Forschergruppe »The healthy self as body capital« ...

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Infektion und Institution

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