Theresa Eisele erhält den Jubiläumspreis des Böhlau Verlages Wien 2025
Für ihre Monographie »Theater als ›Spiel- und Spiegelform‹ jüdischer Erfahrung. Wien 1890-1920« wird die Theaterwissenschaftlerin Theresa Eisele mit dem Jubiläumspreis des Böhlau Verlages Wien 2025 ausgezeichnet. Wir gratulieren unserer Autorin sehr herzlich!Der Preis wird für eine wissenschaftliche Arbeit (Dissertations- oder Habilitationsschrift) auf dem Gebiet der historischen Disziplinen vergeben, die veröffentlicht oder von einem Verlag zur Publikation angenommen wurde.
Der Preis wurde anlässlich des 350-jährigen Jubiläums des Böhlau Verlages Wien gestiftet und ist mit 4000,-€ dotiert.
Theresa Eiseles Monographie beforscht, wie der Eintritt von Jüd:innen in die Gesellschaft Wiens um 1900 »als Theater« und mit theatralen Mitteln stattfand und entwirft so eine historische Praxeologie jüdischer Zugehörigkeit und Differenz. In vier Studien werden jüdische Erfahrungen der Moderne zwischen Zeigen und Beobachten, sozialer Schau und antisemitischer Bedrängnis als Modi des Theatralen zum Thema. Dabei rückt Theater als eine kulturhistorisch zentrale Praxis ins Zentrum, mit der Zugehörigkeit in der Moderne verhandelt, selbstbewusst behauptet oder befragt wurde. Während sich Jüd:innen auch im Alltag »wie auf einer Bühne« permanenter Beobachtung ausgesetzt sahen, kommentierten sie dies wiederum künstlerisch, erprobten eigene Strategien sozialer Teilhabe und beteiligten sich an der Ausgestaltung von bürgerlichen Sozialrollen in der Großstadt. Theater zeigt sich so als eine vielschichtige kulturelle Praxis wie als »Spiel- und Spiegelform des Lebens« (Stefan Zweig).
In der Begründung der Jury heißt es: »Die Monographie rückt dabei besonders die Positionierungen jüdischer Künstler:innen und Intellektueller der Zeit zwischen 1890 und den 1920er Jahren in den Fokus. Konkret diskutiert Eisele mit der Posse ›Die Klabriaspartie‹ eine der umstrittensten wie einschlägigsten Theaterinszenierungen der Wiener Moderne, und zeichnet daran anschließend innerjüdische wie gesamtgesellschaftliche (Theater-)Debatten um – im doppelten Wortsinn – Vorstellungen des ›Jüdischen‹ nach. Das performative Engagement für bürgerliche Sozialrollen wird im Schaffen des Publizisten Felix Salten als eine jüdische Akkulturationsstrategie offenbar, während im Modernen Tanz gerade die Abkehr von Akkulturation und eine dezidiert vergeschlechtlichte Idee jüdischer Teilhabe erprobt wird. Die vier Studien bringen so anhand eines heterogenen Quellenkorpus unterschiedliche theatrale Praktiken der Moderne miteinander ins Gespräch. Indem die Schrift dabei Theatergeschichte und Jüdische Geschichte miteinander verschränkt, kann sie zeigen, wie zentral Theater als künstlerische und kulturelle Praxis die Ausgestaltung sozialer Existenz für Jüd:innen in der Wiener Moderne geprägt hat.«
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