Wallstein Verlag


Vom Individuum zur Person


Neue Konzepte im Spannungsfeld von Autobiographietheorie und Selbstzeugnisforschung

Herausgegeben von Gabriele Jancke und Claudia Ulbrich

Reihe: Querelles. Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung; Bd. 10/2005


Mit zunehmender Globalisierung ist es an der Zeit, bestehende Konzepte der Individualisierung in Frage zu stellen. Literaturwissenschafler, Historiker und Ethnologen hinterfragen kritisch die Kontexte autobiographischer Schriften.


Die Geschichte von der Entdeckung des Individuums gehört zu jenen Meistererzählungen der okzidentalen Moderne, die im Zuge der Globalisierung zunehmend in Frage gestellt werden. Das Konzept paßt nicht mehr so recht zu den Erfahrungen und Erwartungen von Menschen, die es gewohnt sind, in Kategorien von Netzwerken zu denken und zu handeln. Damit wird die Frage nach einer Geschichte der Beziehungen und Bindungen zu einem Desiderat.
Eine wichtige Quelle stellen Selbstzeugnisse dar. Bis heute neigt die Autobiographieforschung dazu, diese Quellen am Parameter der Individualisierung zu messen. Die vorliegenden Aufsätze hinterfragen die Geschlechter-, Klassen- und Kulturgebundenheit dieses Konzepts. Sie analysieren die in Selbstzeugnissen formulierten Personkonzepte und suchen nach Wegen, autobiographische Schriften in ihren jeweiligen Kontexten zu erschließen.

Aus dem Inhalt:
Ute Luig: Dynamische Konstrukte. Vorstellungen zu Person, Selbst und Geschlecht in afrikanischen Gesellschaften
Andrea Griesebner/Christina Lutter: Geschlecht und »Selbst« in Quellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Eva Schlotheuber: Der Mensch am Scheideweg. Personkonzeptionen des Mittelalters
Eva Kormann: Ich und Welt in der Autobiographik des 17. Jahrhunderts. Heterologe Selbstkonzepte bei Maria Elisabeth Stampfer und Elias Holl
Thomas Max Safley: »So lang mir Gott das Leben verlihen.« Personkonzepte in Selbstzeugnissen der schwäbischen Kaufleuteschaft in der Frühen Neuzeit
Özkan Ezli: Grenzenlose Psyche oder die Kollektivautobiographie »Mottenkugeln«von Aliya Mamduh

Zum Jahrbuch für Frauenforschung:
Das Jahrbuch für Frauenforschung Querelles steht in der Tradition der europäischen Frauen- und Geschlechtergeschichte. Querelles stellt einen Ort der Streitkultur im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung dar und ermöglicht den intellektuellen Austausch zwischen den Geschlechtern. Bewußt wird mit Querelles an die Tradition der Aufklärung angeknüpft, die als ein über die Epochengrenzen weit hinausweisender, unabgeschlossener Prozeß begriffen wird. Querelles wird in Verbindung mit der Edition »Ergebnisse der Frauenforschung an der Freien Universität Berlin« herausgegeben und stellt eine Ergänzung zu den in dieser interdisziplinären Reihe versammelten monographischen Arbeiten dar. 1996 erhielt das Jahrbuch Querelles den Margherita-von-Brentano-Preis an der FU Berlin.
Querelles erscheint seit 2003 im Wallstein Verlag.

Weitere Informationen unter: »www.fu-berlin.de/zefrauen/publikationen/querelles_jahrbuch/index.html«
Gabriele Jancke

Gabriele Jancke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der DFG-Forschergruppe »Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive« am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin. Veröffentlichung u.a.: »Autobiographie als Soziale Praxis. Beziehungskonzepte ...

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Claudia Ulbrich

Claudia Ulbrich ist Professorin für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Mitherausgeberin der Reihe »Selbstzeugnisse der Neuzeit« und Koordinatorin der DFG-Forschergruppe »Selbstzeugnisse in transkultureller ...

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