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Kunst der Darstellung


Ludwig Tieck, Selbstbezüglichkeit und die Entstehung der Romantik


Um 1800 wandelt sich die deutschsprachige Literatur. Die kreative Gestaltung von textlogischen Ebenen ermöglicht es Ludwig Tieck, neuartige romantische Schreibweisen wie die Phantastik zu entwickeln.

Ludwig Tiecks Beitrag zur Romantik ist nicht hoch genug einzuschätzen. Erfindungsreich im Umgang mit „vertikalen“, text- und darstellungslogischen Ebenen (z. B. Paratexte, Spiel-im-Spiel-Stücke, Rahmenerzählungen) entwickelt er Schreibweisen wie Phantastik und Arabeske. Diese werden oft zunächst lediglich auf subordinierter Stufe (z. B. auf Ebene von Binnenerzählungen) eingeführt und so gegen aufklärerische Kritik immunisiert, bevor sie als textstruktu-rierende Prinzipen fungieren. Auf dem Höhepunkt der Romantik werden diese Kompensationstechniken „überdreht“ und erzeugen Paradoxien und infinite Rekursionen, die das Leistungsvermögen des Alltagsverstands übersteigen. Es formiert sich eine Ästhetik der Konfusion, die quasireligiöse Erfahrungen ermöglicht und auf ein modernes, säkulares Sinnbedürfnis antworten. Christoph Rauen verfolgt diesen Prozess von den ersten, pseudonymen, genrehaften Publikationen Tiecks bis hin zu selbstbewusst unter Klarnahmen veröffentlichten Signal-werken der Jenaer Romantik. So verknüpft er texttheoretische, kommunikationslogische und narratologische mit literaturgeschichtlichen Perspektiven. Das Buch wendet sich an alle, die das »Warum« und »Wie« literarischen Wandels an der Schwelle zu Moderne besser verstehen möchten.
Christoph Rauen

Christoph Rauen, geb. 1975, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, wo er sich 2024 auch habilitierte, und derzeit Vorsitzender der Internationalen Tieck-Gesellschaft. Seine …

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