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Thomas Manns »Zauberberg« - ein Anthropozän-Roman



»Der Zauberberg« als Anthropozän-Roman: Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs praktiziert der Roman Erzählen als »scale critique« und entwirft das Anthropozän als »deep wartime«.

Die Studie analysiert Thomas Manns »Zauberberg« im Kontext von Theorien des Anthropozäns, insbesondere von »scale critique«. Die Besessenheit des Romans mit Fragen der Skalierung ist offenkundig, wobei von Messbarkeit nicht die Rede sein kann. Welche Skalen des Erzählens generiert der Zauberberg, und in welchem historischen Kontext situiert sich Manns literarische »scale critique«? Die Zerstörung durch den Ersten Weltkrieg stellt eine Zäsur dar, die die raum-zeitlichen Skalen des Erzählens verschiebt. Es ist dieses »derangement of scale« (T. Clark), das der Zauberberg auslotet: Der Roman spannt Tiefenzeiten/-räume des Erzählens jenseits des Menschen aus, verschiebt das Verhältnis von erzählter Zeit und Erzählzeit ins Unermessliche, desavouiert Figur-Grund-Unterscheidungen und kreiert (Todes-)Zonen des Erzählens, in denen sich Sanatorium, Schnee und Kriegsschauplatz überlagern. Wo Manns »Zeitroman« den grundlegenden Stellenwert des Ersten Weltkriegs in der Geschichte des Anthropozäns markiert, konzipiert er zugleich das Anthro-pozän als »deep wartime« (P. Saint-Amour). Die Lektüre einer Konstellation von Texten der Zwischenkriegszeit (Freud, Döblin, Jünger) arbeitet den Einsatz von »scale critique« für das Denken des Anthropozäns als »deep wartime« und dessen Relevanz für unsere Gegenwart heraus.
Elisabeth Strowick

Elisabeth Strowick ist Professorin für Germanistik an der New York University. Lehr- und Forschungstätigkeiten in den USA, Deutschland und der Schweiz. Feodor-Lynen-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den …

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