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Deutscher Nationalismus und Judenhass


Die Ursprünge des modernen Antisemitismus und die Anfänge der Wissenschaft des Judentums 1813–1819


Wie der moderne Antisemitismus im Kontext der deutschen Nationalbewegung des frühen 19. Jahrhunderts entstand

Moderner Antisemitismus und deutscher Nationalismus haben gemeinsame Wurzeln. Als die Erwartungen der deutschen Nationalbewegung auf einen Nationalstaat nach den antinapoleonischen Kriegen 1813/15 nicht erfüllt werden, schlägt Hoffnung um in Ressentiment. Der aus dem Geist von 1813 erwachsene »Volkshass«, wie ihn die Wortführer der deutschen Nationalbewegung Ernst Moritz Arndt und -Friedrich Ludwig Jahn zunächst gegen Frankreich und den -revolutionären Geist von 1789 richteten, wendet sich nun gegen die Juden. Der seit Jahrhunderten tradierte religiöse Antijudaismus wird zur modernen Judenfeindschaft umgeformt und avanciert zum Grundelement des deutschen Nationalismus. Nicht erst 1879 kommt es zu einem Antisemitismusstreit: Professoren wie Friedrich Rühs und Jakob Friedrich Fries schreiben schon 1815/16 aggressive Pamphlete gegen die deutschen Juden.
Werner Treß zeichnet die Kontroverse der Jahre 1815 bis 1819 nach. Er weist nach, welchen Einfluss die judenfeindlichen Schriften von Arndt, Rühs und Fries auf Ereignisse wie den Tugendbundstreit 1815, das Wartburgfest 1817 und die Hep-Hep-Krawalle 1819 hatten und zeigt, wie jüdische Gelehrte mit wissenschaftlichen Publikationen auf die Anfeindungen reagierten und damit den Grundstein für die »Wissenschaft des Judentums« als moderne, kritische Disziplin zur Erforschung jüdischer Geschichte, Literatur und Religion legten.
Werner Treß

Werner Treß, geb. 1975, ist Historiker und Stellvertretender Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam sowie Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien …

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