Wallstein Verlag



»Sterbende Kohle« und »flüssiges Gold«


Rohstoffnarrative der Zwischenkriegszeit


Dariya Manova rekonstruiert die Literaturgeschichte der Rohstoffe in der Populärliteratur und Publizistik im Deutschland der 1920er und 30er Jahre.


»Was sind die entscheidenden Faktoren unsrer Entwicklung geworden, Seele oder Petroleum?« Erwin Piscator erhebt mit dieser Frage 1928 neue Maßstäbe für die Literatur- und Theaterproduktion. Statt der Dramen bürgerlicher Söhne sollen fortan die neuen Machtverhältnisse durch die globale Rohstoffwirtschaft im Zentrum nicht nur des politischen, sondern auch des kulturellen und literarischen Lebens stehen. Dariya Manova erzählt die Geschichte dieser über Piscators Bühne und die Berliner Avantgarde weit hinausreichenden Forderung, ihrer Folgen und Früchte.
Rohstoffe wie Steinkohle und das »flüssige Gold« Erdöl treten unter spannungsreichen Bedingungen auf die literarische Bühne. Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg, die Ruhrbesetzung sowie die Patentierung und Produktion synthetischer Stoffe werden zu Zeichen dafür, dass Besitz und Zugang zu Rohstoffen über Sieger und Verlierer im Krieg und Frieden entscheiden. Für die Literatur erzeugen Rohstoffe nicht nur einen Bezug zum Materiellen und zur ökonomischen Realität, sondern beanspruchen ein unübertroffen authentisches Erzählen. Umgekehrt werden sie im öffentlichen Diskurs zu Trägern kultureller, exotistischer, chauvinistischer und faschistischer Narrative.
Dariya Manova

Dariya Manova, geb. 1989, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Für ihre Dissertation erhielt sie den Scherer-Preis der Richard M. Meyer Stiftung, 2018 ein S. Fischer-Verlagsstipendium ...

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Pressestimmen

Boehringer Ingelheim Preis für Geisteswissenschaften für Dariya Manova

Wir freuen uns, dass Dariya Manova für ihre Arbeit »›Sterbende Kohle‹ und ›flüssiges Gold‹. Rohstoffnarrative der Zwischenkriegszeit« mit dem neu geschaffenen Preis der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften ausgezeichnet wird! Die Preisverleihung fand am 12.05. in Mainz statt.



Aus der Pressemitteilung der Stiftung:



»Dariya Manova hat aufgedeckt, dass Rohstoffe wie Öl und Kohle in der Zeit zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg zu einem Leitmotiv in Literatur und Publizistik wurden. Dabei spielte die Sorge um die langfristige Energieversorgung eine zentrale Rolle. Aber auch die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg wurde mit der ungleichen Verfügbarkeit der Ressourcen zwischen den Kriegsnationen erklärt. Die Autorin hat untersucht, wie der Diskurs über endliche Rohstoffe die Programme der Buchverlage und den Pressemarkt prägte – mit z. T. verblüffenden Parallelen zu heute. 



Die neu geschaffenen Preise sollen die für das Nachdenken über Grundprobleme unserer Gesellschaft notwendigen Geisteswissenschaften noch stärker als bislang in den Fokus stellen. Sie wollen zugleich Motivation für den Nachwuchs in den Geisteswissenschaften sein. Die Veröffentlichung der nun ausgewählten Doktorarbeiten als Buch im Jahr 2021 hatte die Stiftung bereits jeweils mit einem Zuschuss gefördert.«


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