Wallstein Verlag



Chronos erntet


Roman

Aus dem Slowenischen übersetzt von Erwin Köstler


Ein Renaissance-Roman, der aus Fakten und Fiktionen ein faszinierendes Bild vergangener Zeiten webt - und wie nebenbei wird klar, dass alle Fragen absolut gegenwärtig und lebendig sind.


Eine junge Frau ist schwanger und kann keinen Vater vorweisen; in ihrer Not erzählt
sie eine phantastische Geschichte, in der der Teufel eine Rolle spielt. Eine Bauerntochter rebelliert gegen das patriarchalische System. Ein Bischof auf Visitation in den innerösterreichischen Erbländern streitet mit seinem alten Freund, einem protestantischen Grafen, über Macht und Sünde. Als er mit allen Raffinessen einen Hexenprozess anzuzetteln versucht, unterläuft das ein liberaler Bürgermeister, und ein Stadtschreiber fühlt sich zum Philosophen berufen und lässt sich nicht mehr diktieren, was er zu sagen hat. Aufklärung und Aberglaube widerstreiten im Volk, Heiligkeit und Scheinheiligkeit sind nur im Ausnahmefall voneinander zu trennen.
Mojca Kumerdej führt in ihrem polyphonen historischen Roman in die Zeit der beginnenden Gegenreformation im späten 16. Jahrhundert. Sie zeichnet ein überaus farbiges, lebenspralles Bild der Verhältnisse und lässt Angehörige aller Klassen und Schichten zu Wort kommen: voller funkelnder Einfälle, Witz und fesselnder Dialoge. Mojca Kumerdejs großer Roman zielt immer auf Heutiges - nicht nur, weil er den Frauen eine besondere Rolle für die Befreiung von falscher Autorität zuweist, sondern weil er überhaupt nach den Prozessen fragt, die zu Diktatur und Unterdrückung führen.
Leseprobe

Mojca Kumerdej

Mojca Kumerdej, geb. 1964, ist eine slowenische Autorin, Philosophin und Journalistin. Nach ihrem Studium der Philosophie und Kultursoziologie an der Universität von Ljubljana debütierte sie mit ihrem parodistischen Roman »Krst nad Triglavom«. Darauf ...

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Pressestimmen

Erwin Köstler wird mit dem Fabjan-Hafner-Preis 2020 ausgezeichnet

Für seine Übersetzung von Mojca Kumerdejs Roman  »Chronos erntet« (»Kronosova žetev «) aus dem Slowenischen erhält Erwin Köstler den Fabjan-Hafner-Preis 2020. Der Preis beinhaltet ein einmonatiges Arbeitsstipendium in der Residenz des Literarischen Colloquiums Berlin (einschließlich Reise- und Aufenthaltskosten), einen Geldpreis in Höhe von 4.000 € sowie eine Lesung mit anschließendem Gespräch im Robert-Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv Klagenfurt. Datum und Ort der Preisvergabe werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Die Jurybegründung:



Erwin Köstler übersetzte in mehr als 25 Jahren fast 50 Bücher, darunter bedeutendste Werke aus dem Slowenischen und hat sich dabei unter anderem als Herausgeber der deutschsprachigen kommentierten Werkausgabe Ivan Cankars im Drava Verlag höchstes Lob und Anerkennung verdient.



Nun stellte er sich erneut einer Riesenherausforderung: Das herausragende und preisgekrönte Werk von Mojca Kumerdej „Kronosova žetev“ war aufgrund seiner spannenden vielperspektivischen und vielschichtigen Sicht auf die Zeit der Gegenreformation in damals innerösterreichischen Landen, heute slowenischem Boden, zweifellos ein Muss für eine Übersetzung ins Deutsche. Skurrilerweise scheint es, dass in Zeiten der heutigen politischen Präferenzen der von Migrationshysterie und Virenangst getriebenen Wähler das in fernen Zeiten angesiedelte Werk nach seinem Erscheinen immer noch an Aktualität und Bedeutung gewinnt. Wir können nur dankbar sein, dass dieses wichtige Buch nun in deutscher Sprache vorliegt.



Doch nicht nur die Romanlänge, sondern auch die literarische Mehrstimmigkeit, die in diesem Text mit extrem verschiedenen sprachlichen Registern einhergeht, machte dieses Unternehmen zu einer äußerst schwierigen Aufgabe – sprachlich sowie inhaltlich. Diese große Herausforderung erledigte Erwin Köstler mit Bravour: die höchst anspruchsvollen Wechsel von umgangssprachlichen und konjunktivträchtigen Gerüchten im Volk zu laienphilosophischen Reflexionen, von kirchengeschichtlichen Berichten und Diskussionen zu Flüchen voller Kraftausdrücke schafft der Übersetzer ohne jeglichen sprachlichen, inhaltlichen oder literarischen Fehlgriff, obwohl diese Übersetzungsarbeit diesbezüglich wohl ein Minenfeld war. Die vortreffliche Übersetzung zeugt nicht nur von äußerstem sprachlichen und sozialen Feingefühl, sondern auch von großem historischen und kulturellen Wissen.



Weitere Informationen finden Sie hier.


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