Wallstein Verlag



Gedichte. Briefe an Stefan George, Hanna Wolfskehl u.a.


Herausgegeben von Bruno Pieger


Walter Wenghöfer (1877-1918), der 6 Wochen vor Ende des 1. Weltkriegs den Freitod in der Elbe suchte, galt im George-Kreis als der Undurchdringliche, dessen dichterische Substanz unbestritten war.


Walter Wenghöfer (1877-1918) hat ein schmales dichterisches Werk hinterlassen, das im Wesentlichen aus zwei Gedichtzyklen, »Der dunkle Saal« und »Die Tage des Endymion«, besteht. Eine Auswahl erschien in den Blättern für die Kunst, nachdem sich Wenghöfer im Sommer 1903 an Stefan George gewandt hatte. Wenghöfer verfasste seine Gedichte innerhalb eines Jahrzehnts zwischen 1899 und 1909. Sie kommen aus der sich auf Baudelaire berufenden Tradition symbolistischer Dichtung und zeichnen sich durch Formstrenge, lautliche Geschlossenheit und sprachliche Schönheit aus. Wenghöfer hat danach kaum mehr gedichtet, verstand sich stattdessen als Dichter, der das lebensspendende, weltverwandelnde Wort erwartet, das die »grosse Schlichtheit und Nähe der Dinge« vernehmen lässt.
Seine poetologischen Überlegungen, aber auch sein Versuch, als Dichter zu leben, sind seinen Briefen an Stefan George, Hanna und Karl Wolfskehl, Friedrich Gundolf und an die Berliner Freunde Georges eingeschrieben. Besonders die Briefe an Hanna Wolfskehl, das Herzstück der vorliegenden Ausgabe, zeichnen sich durch ein hohes Reflexionsniveau, persönliche Aussagen und große sprachliche Dichte aus. Wenghöfer, der sechs Wochen vor Ende des Ersten Weltkriegs den Freitod in der Elbe suchte, galt im George-Kreis als der Undurchdringliche, dessen dichterische Substanz unbestritten war. George sagte über ihn: »Wenn einer, der nichts tut, über die Strasse geht, kann er mehr wirken als mancher Täter.«

Publikation der Stiftung Castrum Peregrini

Link: www.castrumperegrini.org
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