Wallstein Verlag


Heißer Streit und kalte Ordnung


Epochen der Querelle des femmes zwischen Mittelalter und Gegenwart

Herausgegeben von Friederike Hassauer unter Mitarbeit von Kyra Waldner, Wolfram Aichinger, Annabell Lorenz und Nikolaos Katsivelaris


Der Vorrangstreit der Geschlechter vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Bilanz und Perspektiven eines aktuellen Forschungsthemas mit Schwerpunkt Spanien und Hispano-Amerika.


Heißer Streit und kalte Ordnung meint die Jahrhunderte alte heftige Debatte um den Vorrang der Geschlechter. Wer ist besser in Wissenschaft und Literatur, in Alltag und Moral - Mann oder Frau? Wer darf sprechen, wer darf wissen? Solche Kampfrhetorik trägt den Streit um Geschlechterwissen aus der Vormoderne in die Moderne. Die Querelle hat eine große Texttradition und eine große Wirkungsmacht auf kulturelle Milieus. Ob Medizin, Recht, Theologie, Philosophie, Kunst oder Pädagogik: Überall bringt die Politik des öffentlichen In-Streit-Stellens die alten Ordnungen in Fluss.
Die Autorinnen und Autoren erforschen den Geschlechterstreit in Europa und Amerika mit Schwerpunkt Spanien und Hispano-Amerika. Dabei reicht der Forschungshorizont vom Mittelalter bis zum spanischen Postfrankismus.


Inhaltsverzeichnis

Friederike Hassauer
Einleitung: Heißer Streit und kalte Ordnung. Historizität und Systematizität der »Querelle des femmes«

Teil I: Mittelalter

Wolfram Aichinger
Die Parfums von Arabien und das Auge der Seele. Sinne und Geschlecht bei Francesc Eiximenis (1327-1409)

Rosanna Cantavella
Der Streit um die Frauen. Liebeslehren des katalanischen »Facet« um 1400

Isabella Tomassetti
Weibliche Stimmen in der höfischen Dichtung Kastiliens. Eine Sondierung der frühen Belege des 15. Jahrhunderts

Rebeca Sanmartín Bastida
Strategien des Widerstands. Weibliche Stimmen im »Arcipreste de Talavera« (1438)

Ana Vargas Martínez
Die Bedeutung einer Geste. Traktate von Männern zugunsten der Frauen im Rahmen der »Querelle des femmes« (15. Jahrhundert)

Teil II: Neue Zeiten - Renaissancen, Latinitäten, Klassiken

María-Milagros Rivera Garretas
Die zwei Unendlichkeiten bei Teresa de Cartagena. Vergeschlechtlichte Gotteserfahrung im Spanien des 15. Jahrhunderts

Robert Folger
Liebeskrankheit und »Querelle des hommes« im Spanien des 15. Jahrhunderts. Die »Sátira de infelice e felice vida«

Eva Cescutti
Lateinkompetenz und »Gender« im 16. Jahrhundert. Vier Beobachtungen und Thesen

Susanne Thiemann
»Pudicitia cum eruditione linguarum«. Weibliche Latinität am Beispiel der »vielsprachigen Toledanerin« Luisa Sigea (1522-1560)

Anita Traninger
Wandelbare Orte. Zur Rhetorizität und »Toposhaftigkeit« der »Querelle des femmes« bei Cornelius Agrippa (1486-1535) und Lucrezia Marinella (1571-1653)

Joseph S. Freedman
Die Debatte um Frauen und »Gender« in der Schulphilosophie des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Fall Clemens Timpler (1563/4-1624)

Mary Elisabeth Perry
Frauen - Worte und Schweigen im Spanien des Goldenen Zeitalters. Ein Palimpsest

Ursula Jung
Ingenium und Tradition. Moderata Fontes »Il merito delle donne« (1600) und María de Zayas »Desengaños amorosos« (1647)

Vittoria Borsò
Das Gesetz und die Materialität der Gattung. María de Zayas y Sotomayor (1590-1660) und die Herausforderung der »Querelle« für die Epistemologie

Margo Glantz
Das Mehl in der Küchenphilosophie. Zum Verhältnis zwischen Alltagswissen und Wissenschaftswissen bei Sor Juana Inés de la Cruz (ca. 1651-1695)

Teil III: Aufklärung und Moderne

Catherine Davies
Die Verhöhnung der Frau und die »Querelle« der Untertanen. Der »Diario« de Lima (1790-1792)

Frédérique Morand
Eine »Querelle des femmes« im Cádiz des 18.

Jahrhunderts. Dichterin und verheiratete Nonne: Sor María Gertrudis de la Cruz Hore

Margot Brink
Geschlechterstreit und Dialektik der Aufklärung in Spanien und Frankreich. Die ambivalente Rolle von Vernunft und Natur in Egalitäts- und Komplementaritätstheorien des 18. Jahrhunderts

Astrid M. Fellner
»On the Equality of the Sexes«. Geschlechterdebatten im ausgehenden 18. Jahrhundert in den USA

Claudia Leitner
Einfluß-Angst. Kulturkonflikt und Geschlechterdebatte zwischen José Ortega y Gasset (1883-1955) und Victoria Ocampo (1890-1979)

Susanne Dürr
Zur satirischen Fortschreibung der Querelle im Postfrankismus. Amparo Amorós’ Quevediana (1993)
Friederike Hassauer

Friederike Hassauer, geb. 1951, ist Lehrstuhlinhaberin für Romanische Philologie an der Universität Wien. Sie arbeitete u.a. zur Fabel während der französischen Aufklärung, zur Mediengeschichte des mittelalterlichen Santiago-Weges sowie zur Querelle in ...

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