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Christoph König
Häme als literarisches Verfahren
Günter Grass, Walter Jens und die Mühen des Erinnerns |

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Reihentitel: Göttinger Sudelblätter (Hg. von Heinz Ludwig Arnold)
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€ 14,00 (D)
€ 14,40 (A)
CHF 20,90
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alle Preise inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten |
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lieferbar ab 03/2008
43 Seiten Einband: engl. broschiert
Format: 12,3 x 21 cm
ISBN: 978-3-8353-0283-9
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KurztextPressestimmenBiographie | | |
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»Die im Irrealis formulierte Vorwegnahme der Debatte, die das Zwiebelbuch tatsächlich auslösen sollte, schneidet der Erzähler ab mit dem Satz: »Aber das Belasten, Einstufen und Abstempeln kann ich selber besorgen.« Dieser Satz ist der Schlüssel der Deutung des Werkes, die Christoph König, Germanist in Osnabrück, am Freitag im Berliner Literaturhaus vortrug. Auf einen Schlag erhellt diese Deutung auch das Groteske an den Beiträgen von Grass in der von ihm eröffneten Debatte. Belasten, Einstufen, Abstempeln: Der Autor hat sich im Buch einem Entnazifizierungsverfahren unterworfen und ist dabei so unsachlich vorgegangen, wie es in der Natur dieses Prozesses liegt.
»Häme als literarisches Verfahren« lautet der Titel des Vortrags: Mit einer Fülle an Belegen zeigte König, wie der Autor sein jüngeres Ich, den »Rekruten meines Namens«, von dem er in der dritten Person spricht, fortwährend abkanzelt, herabwürdigt, mit Verachtung straft. Derselbe Generalverdacht niedriger Motive trifft aber auch den Herrn des Verfahrens, den Ich-Erzähler. Das unerträglich Platte des Dauereinsatzes der Topoi der interessegeleiteten Erinnerung erhält plötzlich einen literarischen Sinn. Und einen politischen: Was immer Leser dem jungen Grass und dem alten Autor seines Namens vorwerfen möchten, Grass hat es vorweggenommen. Alle Kritik ist dann von vornherein unsachlich, ein zweiter Aufguss der Häme, die er selbst über sich ausgeschüttet hat.
In der Diskussion wurde nach dem Heimlichen und Tückischen gefragt, das zur Definition des Hämischen gehört. Es liegt in der von König aufgedeckten »Komplizenschaft zwischen Ich und Er«. Die Autobiographie bietet die Travestie einer Selbstprüfung: Grass setzt sich auf die Anklagebank eines Schauprozesses, der wegen eingestandener Befangenheit des Richters mit einem Freispruch enden muss.«
(Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.6.2008)
»König hat mit seinem kleinen Traktat eine Diskussion eröffnet, die sich im Horizont der Wolffsohn-Formel und ihrer Trennung von literarischem und zeithistorischem Urteil nicht führen ließe.«
(Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 27.6.2008)
»Oft sind es gerade die kleinen Bücher, welche die großen Einsichten vermitteln. Christoph Königs Essay »Häme als literarisches Verfahren« ist so ein Werk, das eine knapp formulierte Erkenntnis wie einen Sprengsatz an das Selbstverständnis seiner Leser legt - sofern dieses Selbstverständnis die Koordinaten der deutschen Literatur nach 1945 betrifft.«
(Stefan Lüddemann, Neue Osnabrücker Zeitung, 1.7.2008)
»Christoph Königs Bändchen ist ein ausgezeichneter und kritisch reflektierender Beitrag zur anhaltenden Debatte um Erinnerung und Abwehr in Deutschland, um Auseinandersetzung und Ablenkung und verweist dabei in der Betrachtung der Autoren Grass und Jens ebenfalls auf die Notwendigkeit einer kritischen Wissenschaftsgeschichtsschreibung innerhalb der deutschen Germanistik. Durch den auf die Hintergründe der Debatte hinlenkenden Anmerkungsapparat eignet es sich einerseits sehr gut als eine Einführung in die Thematik und wird andererseits als kritischer Kommentar auch für den mit der Debatte bereits bekannten Leser von großem Interesse sein. Dabei stellt der Text ebenfalls den persönlichen Blickwinkel eines präzise arbeitenden akademischen Wissenschaftlers vor. Letzteres ist aus unverständlichen Gründen noch immer viel zu selten in Deutschland; ich will es daher hier besonders positiv hervorgehoben wissen. Auch die Germanisten in Deutschland sollten sich anstelle einer vorgeblich unpersönlichen Wissenschaftspräsenz unbedingt deutlicher die Position einer kritisch reflektierten Subjektivität zumuten. Auch in diesem Sinne handelt es sich bei »Häme als literarisches Verfahren« um ein lesenswertes und gelungenes Beispiel.«
(Juliette Brungs, Focus on German Studies, Vol. 16, 2009)
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