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Alea Peter Schnyder

Alea

Zählen und Erzählen im Zeichen des Glücksspiels 1650 -1850


€ 36,00 (D) | € 37,00 (A)

436 S., 6 Abb., geb., Schutzumschlag
Format: 14 x 22,2 cm
ISBN 978-3-8353-0483-3

Inhalt

Die Geschichte der Spiel-Metapher von Leibniz bis Balzac.

Die Rede vom Leben als Hasardspiel ist zwar uralt, doch sie gewinnt seit dem 17./18.  Jahrhundert eine neue Virulenz. Das Verschwinden religiöser Gewissheiten in der Aufklärung hatte daran ebenso Anteil wie die Entwicklung der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die um 1650 am Spieltisch begann.
Unter diesem neuen wissenschaftlichen Blick wurden immer weitere Lebenszusammenhänge nach dem Modell eines Spiels mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitsverteilungen konzeptualisiert. Die glücksspielförmige Zurichtung des Lebens, diese »probabilistische Revolution«, hatte nachhaltige Konsequenzen für das Lebensgefühl, aber auch für die genuin poetologische Frage nach der Erzählbarkeit von Leben.
Schnyder geht diesen Zusammenhängen nach in Lektüren von Autoren wie Cardano, Pascal, Leibniz, Defoe, Bernoulli, Lichtenberg, Sterne, Tieck, Novalis, Schlegel, Laplace, Goethe, E. T. A. Hoffmann und Balzac.


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Das Spiel der (Post-)Moderne
Das verbannte Spiel
Metaphorologie I: Das Glücksspiel als interdiskursives Element
Metaphorologie II: Das Glücksspiel und die probabilistische Revolution
Poetologie des Glücksspiels
Plan der Arbeit

Erstes Kapitel: Das unterbrochene Spiel (1650/1750)
1. Wissenschaftler am Spieltisch
2. Pascals »Geometrie des Zufalls«
3. Eine späte Wissenschaft
4. Ein passionierter Zeichenleser: Cardano
5. Eine neue Vernünftigkeit
6. Die Fiktion des Zufalls
7. Der Mensch als Spieler: Leibniz
8. Die Welt als Urne: Jakob Bernoulli

Zweites Kapitel: Die unterbrochene Erzählung (1650/1750)
1. Wirklichkeiten
2. Romanwelt und Weltroman bei Leibniz
3. Konsistenz
4. Das unterbrochene Spiel des Sextus Tarquinius
5. Préchacs »Unordnungen«
6. Das »Abenteuer des Spiels«
7. Defoes ars projectandi
8. Rechnende Abenteurer
9. Das Spiel des Abenteuers

Drittes Kapitel: Das spielende Subjekt und die Zeichen (1700/1800)
1. Das Subjekt erscheint am Spieltisch: Daniel Bernoulli und Lichtenberg
2. Würfel und Zeichen I: »Die Kunst Merkurs«
3. Würfel und Zeichen II: Laurence Sternes »Doctrine of Chances«
4. Trismegistus Shandy, Gentleman
5. Narration und Kontingenz
6. Candides »trauriges Glücksspiel«
7. Subjektivität und Assoziationstheorie
8. Der Spieler zwischen Automat und Genie

Viertes Kapitel: Zwischen Occasionalismus und Normalismus (1750/1850)
1. »Der Geist und die Symbole des Glücksspiels«
2. Kollektive im Zeitalter des Zufalls: Condorcet - Novalis - Schlegel
3. »Lehrjahre« zwischen mimicry und alea
4. Der Spieler als modernes Subjekt: Tiecks William Lovell
5. Kontrollverlust und Schrift
6. Die Entkörperung der Macht im Zeichen des Spiels
7. Hoffmanns »Spielerglück«

Fünftes Kapitel: Die Irrationalität der Vielen (1800/1850)
1. Die Ordnung des Ungeordneten
2. Die mediale Erscheinung der Gesellschaft
3. Roman und Statistik
4. »Fluktuation« als »Normalzustand«: Balzacs La peau de chagrin









5. Die Heterotopie des Glücksspiels
6. Zufallsbewegungen und statistische Kurven
7. Das Spiel der Geschichte
8. Das Spiel der Gesellschaft
9. Inkohärenz und Defiguration