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Doppelleben

Doppelleben

Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland

Hg. von Helmut Böttiger, Bernd Busch, Thomas Combrink unter Mitarbeit von Lutz Dittrich

€ 29,00 (D) | € 29,90 (A)

880 S., 528, überw. farb., Abb., brosch., mit Schmuckhülse
Format: 160 x 240 mm
ISBN 978-3-8353-0433-8

Inhalt

Die erste umfassende Darstellung des literarischen Lebens in der Bundesrepublik und der DDR nach 1945.

Band 1: Begleitbuch zur Ausstellung erarbeitet von Helmut Böttiger unter Mitarbeit von Lutz Dittrich
Band 2: Materialien zur Ausstellung, hrsg. von Bernd Busch und Thomas Combrink
beide Bände sind nur zusammen erhältlich

1949 steht nicht nur für die Gründung der beiden deutschen Staaten, dieses Jahr steht auch für eine Zäsur im kulturellen Aufbruch nach Kriegsende, deren Nachwirkungen lange nach der Wiedervereinigung noch spürbar sind. Dies ist der Ausgangspunkt der Ausstellung »Doppelleben« und ihrer Begleitbände, die »Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland« versammeln und im kulturellen Kontext verorten.
»Doppelleben« untersucht das Mit- und Gegeneinander der verschiedenen Akteure, die vielfältigen Initiativen des kulturellen Aufbruchs ebenso wie die Widerstände der alten und neuen Seilschaften der deutschen Literaturlandschaft in den ersten Jahren nach 1945. Dabei gehen die Autoren der kurzen Blüte literarischer Zeitschriften bis zur Währungsreform ebenso nach wie den Versuchen, durch kulturelle Bildung die Demokratisierung zu fördern oder den Schulunterricht zu »entnazifizieren«. Sie widmen sich der herausragenden kulturellen und kulturpolitischen Rolle des Rundfunks, dem Aufbau des Literaturbetriebs mit den Verlagen, den Literaturpreisen, der Etablierung der Buchmesse und der literarischen Institutionen.

Während Helmut Böttiger und Lutz Dittrich in Band 1 einen Überblick über die Literaturlandschaft der Nachkriegsjahre bieten, konzentrieren sich die verschiedenen Autoren in Band 2 auf einzelne Schriftsteller und literarische Zentren.

Band 2 mit Beiträgen u.a. von: Wilfried Barner, Klaus Doderer, Jörg Drews, Wilhelm Genazino, Durs Grünbein, Reinhard Jirgl, Brigitte Kronauer, Sibylle Lewitscharoff, Siegfried Lokatis, Franz Mon, Martin Mosebach, Uwe Pörksen, Ingo Schulze, Urs Widmer, Hans-Gerd Winter, Reinhard Wittmann; sowie Interviews mit: Adolf Endler, Peter Hamm, Joachim Kaiser, Alexander Kluge, Christa und Gerhard Wolf.

Die beiden Bände erscheinen zur gleichnamigen Ausstellung an folgenden Orten:
Literaturhaus Berlin: 26. April bis 12. Juli 2009
Literaturhaus Frankfurt: 3. September bis Oktober 2009
Literaturhaus München: Oktober bis Dezember 2009
Freie Akademie der Künste Hamburg: Dezember/Januar bis Februar 2010
Leipzig: März bis Ende April 2010

Presseinformation Doppelleben


Inhalt Band 1

Einleitung

»Nie wird der Geist eines modernen Staates unserer Auffassung von Geist entsprechen«. Drahtzieher im Literaturbetrieb (1): Frank Thiess

»Die Scham, mich plötzlich mit der ganzen zersetzenden Literatengesellschaft zusammen
zu sehen«. Drahtzieher im Literaturbetrieb (2): Kasimir Edschmid

»Dies werden meine »toten« Jahre gewesen sein«. Drahtzieher im Literaturbetrieb (3): Hermann Kasack

»Wenige werden Ihnen am Ende dafür danken«. Oskar Jancke und die Gründung der Deutschen
Akademie für Sprache und Dichtung

»Vergessen können«. Die ersten Grundsatzdiskussionen in der Darmstädter Akademie

»Ich beobachte ein Vordrängen der jüdischen Autoren«. Über Geist, Anstand und deutsche Tugenden: der Umgang mit Nazis, Emigranten und Kommunisten

»Geheime Reichssache!« Die Zeitschrift der Akademie und die Tragik Oskar Janckes

»Alkoholfreie Tage«. Der Büchner-Preis und die ersten Erfolge der Darmstädter Akademie

»Die ganze Zeit viel Kaviar, der zu hartkörnig«. Thomas Mann, der Deutsche als Emigrant

»Ich bin in diesem Lande überflüssig«. Alfred Döblin und die Mainzer Akademie

»alles Spätere ist bon mot und Wiener Walzer«. Die Renaissance des Gottfried Benn

»Die Ruine umgibt unser Leben«. Die Anfänge der Gruppe 47

»Die Kanaldeckel heben sich um einen Spalt«. Günter Eichs programmatische Texte in der Nachkriegszeit

»Das Volk hat sich gefälligst zur Kunst hinzubemühen!« Arno Schmidt, ein deutscher Dichter und Gelehrter

»Ich bin - verzeihen Sie das harte Wort - Kommunist«. Ost-West-Kontakte und Kalter Krieg

»Dein Fahnenrot steigt im Jahrhundertwind«. Johannes R. Becher, das Gesicht der frühen DDR-Kultur

»Trompetenstöße in schwüler Stille«. Am Zeitschriftenkiosk und in den Buchauslagen


Inhalt Band 2

Europa - aber wo lag es? Oder: Qui parlait Europe? Beispiele aus der frühen Nachkriegszeit
Per Øhrgaard

»In jedem Fall hat man da zu sein.« Alfred Döblins »Die literarische Situation«
Ingo Schulze

»Erziehung muss Selbsterziehung sein.« Carl Zuckmayers Überlegungen zu den Bedingungen eines politischen Neu anfangs in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
Gunther Nickel

Marie Luise Kaschnitz: »Menschen und Dinge 1945«
Sibylle Lewitscharoff

»Ich nenne diese frühe Zeit: unsere zwanziger Jahre.«
Peter Hamm im Gespräch mit Joachim Kaiser

Ilse Aichinger: »Die größere Hoffnung«
Friedrich Christian Delius

Selbstverständigungsprozesse, kulturpolitische Vorstellungen und ästhetische Programme von Autoren aus der Kriegsgefangenschaft bei den West-Alliierten
Volker Wehdeking

Hermann Broch: »Der Tod des Vergil«. Wiederbesichtigung eines Romans
Durs Grünbein

Für eine »wirksame ideologische, fachliche, und berufliche Unterstützung« - Literarische Gruppenbildung und Schriftstellerorganisationen nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR
Carsten Gansel

»Aber lachen konnte ich immer«
Adolf Endler im Gespräch

Schwierige Mission. Facetten des kulturellen Neubeginns in der SBZ und frühen DDR
Anne Hartmann

Holzwege, gelegentlich Lichtungen. Ostdeutsche Literatur 1945-55
Wolfgang Emmerich


Leipzig

Eine Buchstadt für das Leseland. Leipzig nach 1945
Siegfried Lokatis

Der Aufbau-Verlag und die Verlagsverhältnisse in der Sowjetischen Besatzungszone 1945-1949
Carsten Wurm

»Im Grunde war es die Literatur, die uns nach 1945 erzogen hat.«
Ein Gespräch über die Erfahrungen der frühen Jahre mit Christa Wolf und Gerhard Wolf

»Ewige Werte« als symbolisches Kapital für einen geistigen Neuanfang. Zu den beiden ersten Nachkriegsschriftstellerkongressen der Jahre 1947 und 1948
Waltraud »Wara« Wende

Die Zeit verwandelt uns nicht. Max Frisch: »Tagebuch 1946-1949«
Felicitas Hoppe


München

»Ein Erinnern in Ruinen«. Zum Neubeginn des literarischen Lebens in München nach 1945
Sven Hanuschek

Verlage in München nach 1945
Reinhard Wittmann

Die Anfänge der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Albert von Schirnding

Heimito von Doderer: »Die Strudlhofstiege«
Martin Mosebach

Die Lust am Anfang. Theater in einem zerstörten Land
Günther Rühle

Mathematik und Gefühl. Zu Leo Perutz: »Nachts unter der steinernen Brücke«
Brigitte Kronauer

»Tout est neuf ici, tout est à recommencer«. Die Rezeption des französischen Existenzialismus in Deutschland nach 1945
Mechtild Rahner

»Die Moderne rauschhaft aufgesaugt«
Jürgen Becker im Gespräch

Ein symbiotisches Verhältnis. Der Rundfunk und das literarische Leben im Nachkriegsdeutschland
Hans-Ulrich Wagner


Frankfurt

Der Frankfurter Phoenix. Die Frankfurter Buchmesse als das neue Buchhandelszentrum Deutschlands
Peter Weidhaas

Doktor Faustus und die Paulskirche: Frankfurt 1949
Wolfgang Schopf

Die allmähliche Entfaltung jugendliterarischen Lebens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Klaus Doderer

Ein Buch über Golch. Wolfgang Hildesheimer: »Lieblose Legenden«
Wilhelm Genazino

Anfänge des Literaturunterrichts in den vier Besatzungszonen nach 1945
Harro Müller-Michaels

Die Stunde Null als »Zeitmaß der sich überstürzenden Ereignisse«
Alexander Kluge im Gespräch

Strohfeuer. George Forestier: »Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße«
Christoph Meckel


Hamburg

»Lokalgrößen«, »Zugereiste« und junge Autoren — Das literarische Leben in Hamburg in den ersten Jahren nach 1945
Hans-Gerd Winter

Hamburger kulturelles Leben nach 1945
Horst Gronemeyer

Hans Henny Jahnn und seine Akademie
Armin Sandig

Ein Traum von uns selbst. Versuch über Hans Henny Jahnn
Ulrich Greiner

Hans Erich Nossack: »Der Untergang«. Aus dem Büchertagebuch 1963 / 64
Walter E. Richartz

Sprachkritik nach 1945 als Aufklärung und Programm
Jürgen Schiewe

Privatschule des Lesens
Klaus Reichert

Den Anschluss finden. (West-)Deutsche Literaturkritik 1945 bis 1955
Jörg Drews

Peter Weiss: »Der Schatten des Körpers des Kutschers«
Urs Widmer

Literaturstreite im Westen: Ernst von Salomon »Der Fragebogen« und Wolfgang Koeppen »Das Treibhaus«
Wilfried Barner

Arno Schmidt: »Leviathan oder Die beste der Welten«
Reinhard Jirgl

Inulmundumulmundumulmherum. Anmerkungen zu Sprache und Schrift in Ulm zwischen 1945 und 1955
Jörg Stürzebecher

»Aber das Bewegte ist mit dem Ziel identisch.« Über Helmut Heißenbüttels »Kombinationen«
Ulf Stolterfoht

Rainer Maria Gerhardts legendäre Zeitschrift »fragmente« und sein Versuch, am Thron Benns zu rütteln
Uwe Pörksen

Die Poesie wird konkret. Die Anfänge des experimentellen Schreibens in den fünfziger Jahren
Franz Mon

Dein Kunstding sirrt! Unica Zürn: »Hexentexte«
Georg Klein

Kaum vorstellbares »Ausmaß an reaktionärem Muff«
Gerhard Rühm im Gespräch

»Nachdem die Golddrachen zahm geworden waren« von H. C. Artmann
Gerhard Roth